Canon und die Preise

In letzter Zeit ist Canons Preispolitik (zumindest im DSLR-Sektor) Thema vieler Diskussionen. Zu recht, wie ich finde. Zum ersten Mal darüber gestolpert bin ich bei der Ankündigung des EF 24-70 […]

In letzter Zeit ist Canons Preispolitik (zumindest im DSLR-Sektor) Thema vieler Diskussionen. Zu recht, wie ich finde.

Zum ersten Mal darüber gestolpert bin ich bei der Ankündigung des EF 24-70 f/2.8L II USM. Der UVP beträgt laut aktueller Preisliste. 2299 Euro. Der Vorgänger wird mit 1275 Euro gut 1000 Euro günstiger gelistet! Wirklich nachvollziehbar ist das nicht, selbst wenn das neue deutlich verbesserte Abbildungsleistungen bringen sollte.

Die aktuelle Diskussion dreht sich im Moment vor allem um die Canon EOS 5D Mark III, die mit 3299 Euro in der Liste steht. Deren Vorgänger wurde nach meinen Recherchen eingangs für 2499 Euro UVP angeboten. 800 Euro sind ein stolzer Aufpreis für die eher wenigen Änderungen, von der die wichtigste (der Autofokus) eigentlich schon in der Mark II fällig gewesen wäre.

Noch heftiger ist die Preisvorstellung Canons für ihren neuen Blitz. Für die 699 Euro des Speedlite 600EX-RT gibt es schon einen Studioblitz der Mittelklasse inkl. Funkauslösung und vielseitigerer Lichtformungsmöglichkeiten.

Man muß sich ernsthaft fragen, was Canon geritten hat. Ganz besonders denkwürdig sind die jüngsten Preisvorstellungen angesichts der Konkurrenz.

Für den Blitz gibt es eine andere hochwertige Alternative, die nicht teurer und flexibler ist. So gibt es den 580EX II für rund 400 Euro im Handel. Die PocketWizard FlexTT5 gibt es für rund 250 Euro, teils noch etwas günstiger. Um auch einen Sender zu haben benötigt man 2 davon, bei der Canon-Lösung ist allerdings auch ein Sender nötig, der 320 Euro kosten soll.
Der Vorteil bei der Lösung mit Einzelgeräten (bei praktisch gleicher Funktionalität) ist, neben der günstigeren Anschaffung, daß die Funkauslöser auch an anderen Blitzen (z.B. Studioblitzen) oder sogar zum Auslösen von Kameras benutzt werden können. Noch billiger wird es übrigens z.B. mit den Phottix Odin.

Die Konkurrenz zur 5D Mark III wartet in Form der Nikon D800. Auf den ersten Blick sehr unterschiedliche Kameras, aber die Unterschiede liegen vor allem bei der Auflösung, ein wenig in der Serienbild-Geschwindigkeit und im Preis. Auflösungsseitig liegt die Nikon deutlich vorn und mit 4 Bildern/s ist sie nicht langsam. Ob die 2 Bilder mehr der Canon wirklich ein großer Kaufanreiz sind, bleibt abzuwarten. Betrachtet man erste Tests beider Kameras, sind die Ergebnisse erstaunlich. Die D800 scheint das mehr an Auflösung nutzen zu können, und auch das Rauschverhalten ist für diese Menge an Pixeln erstaunlich gut. Die Canon scheint in diesem Feld die Erwartungen eher zu enttäuschen. Wenn ich mir die realistischen Testbilder von heise.de ansehe (ich habe die RAWs geladen), erkenne ich keinen großen Fortschritt gegenüber dem Vorgänger. Beim wichtigen Dynamikumfang scheint die Nikon sogar vorn zu liegen. Erstklassige AF-Module haben wohl beide Kontrahenten.
Das wäre alles halb so wild, wenn Canon nicht ganze 400 Euro mehr für die Kamera verlangen würde als Nikon!

Das Fazit: Es ist leicht zu erkennen, das Canon das neue Preisniveau auf dem Markt nicht langfristig durchsetzen können wird. Auf zu hohen Preisverfall sollte man jedoch auch erstmal nicht hoffen, denn Händler können Ihre Produkte nicht willkürlich weit unter UVP anbieten – auch sie müssen zu einem gewissen Preis einkaufen. Bis Canon also die UVPs und Händlerpreise anpasst, was in der Vergangenheit eher sehr langsam geschah, dürften sie (mal wieder) viele Kunden verlieren. Für mich zumindest haben die Preise die Schmerzgrenzen für das ohnehin überteuerte Foto-Equipment überschritten und ich wette, es geht vielen ähnlich.

Über 

Professioneller Fashion- & Beauty-Fotograf mit und aus Leidenschaft.

Ebenfalls aus Herzblut: Dozent, Autor.

Wurde nicht mit einer Kamera geboren, sie ist inzwischen aber angewachsen.

Hat einen "(Blitz)Lichtfetisch". Umfangreiches Technik- & Fotowissen.
Kann trotzdem brauchbare Fotos machen.

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