Bildkritik 2: Beauty-Portrait von Manuel aus Schkeuditz

Ihr erinnert Euch sicher an meine Aktion, mir Eure Bilder zur Kritik einzuschicken (zu der ich viele Einsendungen bekommen habe und die weiterhin gilt!). Dazu wird es in Zukunft zusätzlich erweiterete Angebote geben, aber dazu an anderer Stelle mehr.

Bild Nummer 2 kommt von Manuel.

Ich hatte bereits bei der letzten Kritik erwähnt, dass das Niveau der Einsendungen erfreulich unterschiedlich ist. Hatten wir letztes Mal eine Arbeit, an der man noch viel verbessern konnte, sehe ich dieses Mal ein Foto, das eher am anderen Ende des Spektrums steht.

Manuels Bemerkungen zum Bild:

  • […]es ist eines meiner Typischen One Light Setups, wobei das etwas geflunkert ist. Ich habe für den bläulichen Hintergrund einen zweiten Blitz verwendet.
  • Das Model ist aber mit nur einem Blitz mit Striplight und Wabe belichtet.
  • Bildbearbeitung sind so die typischen Beauty Sachen. Angefangen vom Entfernen von Hautunreinheiten, über Dodge and Burn, Haut Pudern, Augen- und Haarretusche bis hin zu gezieltem partiellen schärfen.
    So schaut ein typischer Ablauf bei mir aus.

Um einen Leitfaden zu haben, halte ich mich an die Kriterien und Reihenfolge aus der letzten Kritik.

Der Bildaufbau orientiert sich an der 2/3-Regel bzw. dem goldenen Schnitt, was hier defintiv passend ist. Auch das gewählte Hochformat bietet sich für so ein eng geschnittenes Portrait an.
Ich persönlich finde allerdings, das der bildgestalterische Fokus noch etwas mehr auf dem Gesicht liegen könnte. In Manuels Schnitt lenken mich die vielen Haare am oberen Bildrand immer wieder ab. Bei der Liniendarstellung sieht man, das die obere Drittellinie auf dem linken Auge des Modelles liegt. Mich hingegen zieht das rechte Auge mehr an und auch deshalb würde ich den Schnitt ein wenig anders legen. Ein Beispiel seht Ihr unten.

Manuels Lichtführung ist ein Klassiker. Das Licht kommt von oben, was Wangen und Kieferknochen leicht betont und unserem gewohnten Seheindruck entgegenkommt (Deckenbeleuchtung und Sonne strahlen von oben, diese Lichtrichtung sehen wie deshalb am häufigsten). Die Weichheit des Lichts kaschiert Poren und Hautunreinheiten und ist deshalb für Beauty-Portraits beliebt. Um Schatten aufzuhellen, die durch die hohe Beleuchtung z.B. unter dem Kinn und der Nase entstehen, wurde von unten ein großer Reflektor eingesetzt. Wie erwähnt ein klassischer Lichtaufbau in der Beauty-Photographie, den ich auch schon oft benutzt habe.
Allerdings kann diese Beleuchtung, im Vergleich zu härterem Licht und je nach verwendetem Lichtformer und dessen Qualität, auch etwas flach wirken. Das verleitet schnell dazu, bei Make-up und Lichtsteuerung etwas ungenau zu arbeiten.

Mein Vorschlag zum Bildschnitt.

Mein Vorschlag zum Bildschnitt.

Die Zusammenstellung der Bildelemente hat Manuel überlegt umgesetzt und so einen stimmigen Bildstil geschaffen. Das dunkelhaarige Modell trägt, passend zum dunklen Hintergrund, ein schwarzes Oberteil. Durch das Anstrahlen des Hintergrundes wir dieser gerade hell genug, um sich von den Haaren abzutrennen – ohne aber zu dominant zu werden. Die blaue Farbe (entweder durch blaues Hintergrundpapier oder eine farbige Folie vor dem Hintergrund-Blitz) unterstützt das und macht das Bild zudem noch etwas interessanter. Alles sehr stimmig. 🙂

Ein paar kleine Fehler sind mir noch aufgefallen. Am rechten Rand gibt es ein paar dunkle Linien auf der Haut des Modells, entweder durch die Haltung verursachte Falten, Haare oder der Schatten eines hautfarbenen BH-Halters (rot markiert). Diese hätte man (aufwendig) retuschieren oder durch einen minimal anderen Bildschnitt verhindern können. Ähnliches gilt für den Schatten, der sich zwischen Arm und Körper ergibt (neongrün).
Sehr schwierig zu beurteilen ist das Reststück Arm am unteren rechten Bildrand (magenta). Ihn wegzulassen oder zu retuschieren würde dem Bild nicht guttun, aber idealerweise hätte ein klein wenig mehr des Armes aufs Bild kommen sollen. Aktuell ist nicht auf den ersten Blick klar, um was es sich bei der Fläche handelt und hat man sie einmal entdeckt, sieht man ständig dahin (und wird vom eigentlichen Motiv abgelenkt).

Etwas streitbar ist sicher auch der Anschnitt der Hand in den Haaren. Viele Photographen beharren darauf, das so etwas ein No-Go ist und Gliedmaßen gar nicht oder wenn dann nicht nur knapp oder über den Gelenken angeschnitten gehören. Ich sehe das weniger eng und finde den Schnitt hier tolerabel.

Sehr, sehr viel Arbeit (und sicher auch Zeit) hat Manuel in die Retusche investiert. Sie ist auf sehr hohem Niveau, verbessert das Bild enorm und ist wirklich hervorragend umgesetzt. Daran kann man nichts aussetzen.
Wenn man etwas aussetzen kann, dann vielleicht, dass sie überhaupt nötig ist. Lieber hätte ich ein professionelleres Make-up gesehen und ein Licht, daß ein wenig kontrastreicher, gesteuerter und brillianter ist. Für die Nachbearbeitung, besonders das Dodge&Burn (Abwedeln&Nachbelichten), ist das weiche, flache Licht ideal. Für ein möglichst gutes Ergebnis direkt aus der Kamera finde ich die kaum sichtbare Schatten hinterlassende Beleuchtung nicht so gut.

Das Endergebnis ist dank der sehr guten Photoshop-Arbeit überzeugend und offenbart bei der Beleuchtung keinen Anlass zur Kritik. Ob man aber diese Arbeit und Zeit in der Bildbearbeitung investieren oder besser von Anfang an zielgerichteter (und damit weniger flach) ausleuchten möchte, ist eine Frage der persönlichen Einstellung (und bei Berufsphotographen oft eine Frage der Betriebswirtschaft).

Links nach, rechts vor der Bearbeitung.

Links nach, rechts vor der Bearbeitung.

Damit bin ich wieder am Ende der Bildkritik angelangt. Ich hoffe, sie war hilfreich für Manuel und Euch. Ich freue mich über Feedback in den Kommentaren!

Über 

Professioneller Fashion- & Beauty-Fotograf mit und aus Leidenschaft.

Ebenfalls aus Herzblut: Dozent, Autor.

Wurde nicht mit einer Kamera geboren, sie ist inzwischen aber angewachsen.

Hat einen "(Blitz)Lichtfetisch". Umfangreiches Technik- & Fotowissen.
Kann trotzdem brauchbare Fotos machen.

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