Brigitte und die (fehlenden) Models, Nachlese – subjektiv

Und jetzt habe ich es doch getan. Ich habe die erste “Brigitte” ohne Models gelesen und vor allem angesehen. Und ich schreibe auch noch darüber. Die PR-Abteilung des Verlages wird’s freuen. Aber was soll’s, das Interesse scheint ja groß zu sein.

models-logo

Zur Erinnerung: Die Zeitschrift “Brigitte” arbeitet bei ihren Modeproduktionen nun nicht mehr mit professionellen Models.

Die ersten 44 Seiten hab ich’s fast gar nicht gemerkt. Davon abgesehen, daß mich die ersten 6 Seiten mit “Dove”-Werbung gleich wieder daran erinnert haben, was für eine gute PR so eine Aktion ist (Dove nutzt schon lange ein ähnliches Crédo für die eigene Werbung).Kommen wir zurück zu den ersten 44 Seiten. Die Models sehen eigentlich ziemlich so aus wie immer. Schlank, professionell geschminkt und ausgeleuchtet und in, wie der Bildtext belegt, für Normalmenschen meist viel zu teuren Klamotten. Etwas unsicherer und verlorener als die Profis blicken sie auf den Bildern teils drein, aber das fällt vielleicht nur meinem trainierten Auge auf. Und älter als manche “Kindsmodelle” der Designer sind sie auch. Aber hier kommen wir schon zu einem der ersten Mißverständnisse, die “Brigitte” gern auch selbst schürt: Es gibt nicht nur Haute Couture-Laufstegmodelle! “Brigitte” war – meiner bescheidenen Meinung nach – nie eine Zeitschrift für Teenager und Twens. Und so waren auch die Modelle durchaus mal im reiferen Alter. Denn auch dafür gibt es Profis und Agenturen.

Im Vergleich zu früher merkt man auf den ersten 44 also eigentlich nicht viel – außer das Namen, Alter und Beruf der “Modelle” jetzt gleich groß über dem Artikel stehen. Das scheinen auch viele Lerserinnen so zu empfinden, wie die Kommentare auf der Brigitte-Website belegen.

brigitte-heft-0210-195-omAb Seite 45 entdeckt man ihn dann: Den Typus Frau, den man zugegebenermaßen bisher seltener in Modezeitschriften fand. Eine Künstlerin aus Island, 45, mit Tatoos und schon ein bißchen “zerknitterter” im Gesicht. Das ganze hat nur einen Haken: Irgendwie wollen die dunkelrot lackierten Fingernägel und Mund, die mit viel Rouge getünchten Wangen und die hippen Kleidchen nicht so recht zu dieser Frau passen.

Danach folgen aber noch mehr Bilderstrecken und da sieht man sie auch, die Frauen von nebenan. Da spannt mal ein Jäckchen ein bißchen, mal zeichnet sich unter dem Kleid doch ein kleines Bäuchchen ab. Keine echte Revolution, aber etwas Abkehr von der Perfektion. Das wäre vielleicht ein echter Fortschritt. Bleibt nur abzuwarten, ob die Leser (und Kunden) das denn nur auch wirklich sehen wollen…

Auf knapp 2 Seiten gibt es dann auch noch ein Interview mit einem Designer, der GEGEN die “Brigitte”-Aktion ist. Da haben wir schon wieder die oben beschriebene Verallgemeinerung. Als hätte Brigitte früher die Modelle direkt vom Pariser Laufsteg rekrutiert…
Das Fazit des Interviews kann man aber nur unterstreichen und auch für viele andere Bereiche übertragen: Für ordentliche Ergebnisse arbeitet man am besten mit Profis.

Das kostet aber auch gutes Geld. In einem Zeitungsartikel las ich von einem Gehalt eines der neuen “Amateur-Modelle”: ca. 300 Euro / Tag. Gegenüber einem Profi aus einer Agentur ist das für Brigitte ein Schnäppchen, würde ich meinen. Besonders dann, wenn man die Fotos beliebig weiterverkaufen und wiederverwenden kann (bisher habe ich noch keine Infos, ob die neuen Modelverträge dieser Shootings das erlauben).

Doch keine Angst, nicht alles wird anders. Die neue “Brigitte-Diät” ist auch drin. Nieder mit dem Schlankheitswahn!

Bin ich jetzt zynisch?

Über 

Professioneller Fashion- & Beauty-Fotograf mit und aus Leidenschaft.

Ebenfalls aus Herzblut: Dozent, Autor.

Wurde nicht mit einer Kamera geboren, sie ist inzwischen aber angewachsen.

Hat einen "(Blitz)Lichtfetisch". Umfangreiches Technik- & Fotowissen.
Kann trotzdem brauchbare Fotos machen.

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