{"id":751,"date":"2010-02-22T09:15:45","date_gmt":"2010-02-22T08:15:45","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michael-gelfert.de\/blog\/?p=751"},"modified":"2010-02-26T15:27:33","modified_gmt":"2010-02-26T14:27:33","slug":"bildkritik-teil-2","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/migel-photo.com\/blog\/tutorial\/bildkritik-teil-2\/","title":{"rendered":"Bildkritik &#8211; Teil 2"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_703\" aria-describedby=\"caption-attachment-703\" style=\"width: 233px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.migel-photo.com\/blog\/wp-content\/Bildkritik1.jpg\" rel=\"lightbox[751]\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-703  \" title=\"Raw-Bild\" src=\"https:\/\/www.migel-photo.com\/blog\/wp-content\/Bildkritik1_Leer.jpg\" alt=\"Zur Erinnerung: Auch in Teil 2 geht es noch um dieses Bild.\" width=\"233\" height=\"350\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-703\" class=\"wp-caption-text\">Zur Erinnerung: Auch in Teil 2 geht es noch um dieses Bild.<\/figcaption><\/figure>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Nachtrag:<\/span> Dem Leser dieses Artikels wird auffallen, dass das erw\u00e4hnte zu kritisierende Bild fehlt. Ich habe es aus Kulanz, aber ungern, entfernt. Mir ist klar, da\u00df die Verst\u00e4ndlichkeit dadurch deutlich leidet.<br \/>\n<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Grund war nicht etwa der Urheber (dessen Genehmigung ich wie erw\u00e4hnt habe), sondern die argumentlosen Beschwerden des Models und des &#8222;Studio&#8220;inhabers. Wer sich daf\u00fcr bedanken m\u00f6chte: kurze Nachricht an mich, ich versuche dann gern, das weiter zu geben.<br \/>\n<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Zur Klarstellung: Beide haben nach meiner Auffassung keinerlei rechtlichen Anspruch darauf.<br \/>\nDas Model hat in einem Vertrag auf Ihr Recht am eigenen Bild verzichtet. Die Tatsache, da\u00df ihr die selben Nutzungsrechte wie dem Fotografen einger\u00e4umt wurden, ist aber nicht mit einer (nicht \u00fcbertragbaren) Urheberschaft oder gar einem Exklusivrecht gleich zu setzen.<br \/>\nDer &#8222;Studio&#8220;besitzer hat ebenfalls keine Urheberschaft oder Miturheberschaft an dem Lichtbildwerk. Der d\u00fcnne Hintergrund d\u00fcrfte auch vor keinem Gericht als urheberrechtlich gesch\u00fctzes Werk gelten -da hilft auch eine Drohung mit einem Anwalt mir gegen\u00fcber nichts.<br \/>\n<\/strong><\/span><\/p>\n<p><a href=\"\/blog\/?p=702\" target=\"_blank\">Teil 1<\/a> befasste sich mit Kritik und Hinweisen zum Hintergrund und zur Beleuchtung. In Teil 2 werde ich auf das Posing und das Styling\/Outfit in dem Bild eingehen &#8211; als letztes dann noch ein paar Worte zur Perspektive.<\/p>\n<p>OK, um ehrlich zu sein, w\u00fcrde kein professioneller Photograph dem Beispielbild den Titel &#8222;Fashion-Foto&#8220; zugestehen &#8211; auch, wenn ich es seit Anfang dieser Kritikserie es so bezeichne. Ich tue das, weil die meisten Amateure sich ein Fashion-Foto so vorstellen und weil ich versuche, das Foto unter diesem Anspruch zu kritisieren.<br \/>\nDas kann man nicht, ohne \u00fcber den Hauptgrund zu reden, warum es nicht als Fashion-Foto durchginge.<!--more--><\/p>\n<p>Der Grund ist das Outfit, das offensichtlich aus der Requisiten- oder Kleiderkammer des Fotografen oder Modells zusammengestellt wurde.<br \/>\nDas mu\u00df nicht zwangsl\u00e4ufig ein k.o.-Kriterium sein, wenn die Auswahl nicht trivial ausf\u00e4llt (was, zugegebenerma\u00dfen, alles andere als leicht ist und auch mir nicht immer gelingt!).<\/p>\n<p>Modefotos zeigen (neue) Modetrends (wie Farben), Entw\u00fcrfe oder Kollektionen von Designern (oder Versandh\u00e4usern), Stylingtipps oder \u00fcberraschende modische Kompositionen.<\/p>\n<p>Leggins, T-Shirt und Lederjacke erf\u00fcllen das leider nicht, auch nicht in Kombination mit hohen Schuhen und einer schlichten schwarzen Tasche.<\/p>\n<p><strong>Schwierig, aber entscheidend, ist also der Unterschied zwischen dem Foto eines &#8222;Modells in Kleidung&#8220; und einem Modefoto.<\/strong><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff9900;\"><strong>5. Unpassende Kleidung &#8211; Abhilfe: Outfit \/ Zusammenstellung \u00e4ndern<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Sehen wir davon f\u00fcr den Moment ab und analysieren das Outfit im Detail, um konstruktive Verbesserungsvorschl\u00e4ge zu machen. Das folgende ist nat\u00fcrlich etwas subjektiv gef\u00e4rbt und beruht auf meiner Erfahrung.<\/p>\n<p>Hohe Schuhe sind f\u00fcr Modefotos immer eine gute Idee (siehe: <a href=\"\/blog\/?p=502\" target=\"_blank\">11 Regeln!<\/a>), denn sie verl\u00e4ngern optisch die Beine.<\/p>\n<p>Allerdings passen diese hier stilistisch m.M.n. nicht zu einer Lederjacke und den Leggins. Ebenfalls problematisch ist in dieser Kombination die Farbe. Ich versuche stets, bei Outfits immer eine gewisse Linie beizubehalten. Zu dieser Linie geh\u00f6rt auch, dass sich eine verwendete Farbe an anderer Stelle des Outfits wiederfinden sollte (Ausnahmen best\u00e4tigen die Regel, z.B. pinke Schuhe bei schwarzem Outfit als au\u00dfergew\u00f6hnlicher Kontrastpunkt).<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff9900;\"><strong>6. Farblich nicht passende Schuhe &#8211; Abhilfe: Schuhe auf das gesamte Outfit abstimmen<\/strong><\/span><\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/www.migel-photo.com\/blog\/wp-content\/Bildkritik4_Schmuck.jpg\" rel=\"lightbox[751]\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignleft size-thumbnail wp-image-762\" src=\"https:\/\/www.migel-photo.com\/blog\/wp-content\/Bildkritik4_Schmuck_Leer.jpg\" alt=\"\" width=\"200\" height=\"197\" \/><\/a>Schmuck ist wichtig f\u00fcr den Gesamteindruck bei einer lifesytligen Aufnahmen wie f\u00fcr einen Katalog. Davon abgesehen passt er aber selten, z.B. um eine &#8222;kahle Stelle&#8220; bei einem Outfit mit einer Kette zu f\u00fcllen. Hier wirkt er deplaziert und das Outfit \u00fcberf\u00fcllt.<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #ff9900;\">7. Outfit wirkt \u00fcberladen &#8211; Abhilfe: Schmuck f\u00fcr Modeaufnahmen tendenziell lieber weglassen<\/span><\/strong><\/p>\n<p>Der letzte Punkt, den ich bezgl. des Stylings\/Outfits ansprechen m\u00f6chte, betrifft den Zweck des Fotos. Es ist nicht klar, um was es in dem Foto geht, was &#8222;verkauft&#8220; werden soll (siehe: <a href=\"\/blog\/?p=502\" target=\"_blank\">11 Regeln!<\/a>). Ist das Hauptmotiv die Tasche, die Jacke, die (farblich gegen das Outfit ja etwas &#8211; aber nicht genug &#8211; heraustechenden) Schuhe?<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff9900;\"><strong>8. Motiv\/Bildzweck unklar &#8211; Abhilfe: das zentrale Motiv mit Licht und\/oder durch Positionierung im Bild herausarbeiten; klareres Outfit (z.B.: Tasche weglassen)<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Posing ist eines der Themen, f\u00fcr das sich Fotografen besonders interessieren und um das sie sich am meisten sorgen (<a href=\"\/blog\/?p=252\" target=\"_blank\">zum gr\u00f6\u00dften Teil zu unrecht<\/a>). Um auf das Posing einzugehen, bem\u00fche ich wieder mein Beispielbild aus dem Archiv.<\/p>\n<figure id=\"attachment_769\" aria-describedby=\"caption-attachment-769\" style=\"width: 578px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.migel-photo.com\/blog\/wp-content\/Bildkritik5_Bildlinien.jpg\" rel=\"lightbox[751]\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-769  \" title=\"&quot;Bildlinien&quot;\" src=\"https:\/\/www.migel-photo.com\/blog\/wp-content\/Bildkritik5_Bildlinien_Leer.jpg\" alt=\"Die Linienf\u00fchrung im Bild, die durch das Posing entsteht, habe ich hier mit roten Linien skizziert.\" width=\"578\" height=\"480\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-769\" class=\"wp-caption-text\">Die Linienf\u00fchrung im Bild, die durch das Posing entsteht, habe ich hier mit roten Linien skizziert.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Bildaufbau auf den Bildern wird stark vom Posing und die dadurch entstehenden &#8222;Linien&#8220; gepr\u00e4gt.<br \/>\nW\u00e4hrend die angedeutete &#8222;S&#8220;-Kurve rechts Dynamik und Spannung ins Bild bringt wirkt das Bild links durch die nach unten gerichtete Linienf\u00fchrung schwer und schwunglos. Der die gerade herabh\u00e4ngende Tasche haltende Arm verst\u00e4rkt diesen Eindruck noch weiter.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff00ff;\"><strong>9. Bildwirkung &#8222;schwer&#8220; und undynamisch &#8211; Abhilfe: &#8222;gerade&#8220; Linienf\u00fchrung (strikt vertikal oder horizontal) durch anderes Posing vermeiden<\/strong><\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_777\" aria-describedby=\"caption-attachment-777\" style=\"width: 235px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.migel-photo.com\/blog\/wp-content\/Bildkritik6_Posingproblem_Leer.jpg\" rel=\"lightbox[751]\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-777 \" title=\"Posingproblem\" src=\"https:\/\/www.migel-photo.com\/blog\/wp-content\/Bildkritik6_Posingproblem_Leer.jpg\" alt=\"Die Oberk\u00f6rperform, die das Modell auf dem Bild optisch bekommt, ist rot skizziert. Die blaue Fl\u00e4che zeigt die Form, die eher der Realit\u00e4t entsprechen d\u00fcrfte.\" width=\"235\" height=\"350\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-777\" class=\"wp-caption-text\">Die Oberk\u00f6rperform, die das Modell auf dem Bild optisch bekommt, ist rot skizziert. Die blaue Fl\u00e4che zeigt die Form, die eher der Realit\u00e4t entsprechen d\u00fcrfte.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Ein weiteres Problem des Posings f\u00e4llt mir am Bild auf (davon ist auch mein Beispiel nicht 100% frei): Der durchgedr\u00fcckte R\u00fccken ist prinzipiell keine schlechte Idee f\u00fcr ein dramatischeres Posing. Sehr kritisch ist das aber, wenn das umgebende Kleidungsst\u00fcck weit ist und entgegen der Oberk\u00f6rperposition einfach nach unten herabh\u00e4ngt &#8211; so wie das bei der offenen Lederjacke der Fall ist.<br \/>\nDadurch wirkt das Modell viel breiter\/dicker, als sie sicherlich ist (siehe Skizze).<\/p>\n<p>Deshalb ist es generell schwer, weite Kleidung zu fotografieren, ohne dass das Modell unvorteilhaft wirkt.\u00a0 Man sollte dann versuchen, den K\u00f6rper der Fallform anzupassen. Bei der Jacke w\u00e4re auch eine etwas frontalere Position m\u00f6glich, bei der man in die Jacke &#8222;hineinsehen&#8220; und Kleidung und Figur besser voneinander getrennt sehen kann.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ff00ff;\"><strong>10. Figur wirkt unvorteilhaft &#8211; Abhilfe: R\u00fccken weniger durchdr\u00fccken; <\/strong><\/span><span style=\"color: #ffff00;\"><strong>Perspektive \u00e4ndern (frontaler)<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Damit w\u00e4ren wir schon beim letzten Punkt, der Perspektive. In den 11 Regeln gibt es gleich 2 die einen Tipp geben, welche Position f\u00fcr Modefotos gut geeignet ist und diese h\u00e4tte ich auch in diesem Fall bevorzugt: Eine Aufnahme von unten, die die Beine optisch verl\u00e4ngert. An meinem Archivbild (siehe oben) sieht man den Unterschied.<\/p>\n<p>Die Perspektive von unten hat noch einen weiteren Vorteil: Wir sind aus dem t\u00e4glichen Sehen eine Perspektive aus unserer Augenh\u00f6he gewohnt und auch deshalb fotografieren viele Beginner bevorzugt aus derselben Sichth\u00f6he. Das wirkt aber auf den Betrachter meist langweilig. Andere Perspektiven machen die Fotos spannender.<\/p>\n<p><span style=\"color: #ffff00;\"><strong>11. Perspektive wirkt etwas langweilig, Beine etwas kurz &#8211; Abhilfe: Perspektive wechseln, Untersicht verl\u00e4ngert Beine optisch<\/strong><\/span><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachtrag: Dem Leser dieses Artikels wird auffallen, dass das erw\u00e4hnte zu kritisierende Bild fehlt. Ich habe es aus Kulanz, aber ungern, entfernt. Mir ist klar, da\u00df die Verst\u00e4ndlichkeit dadurch deutlich leidet. Grund war nicht etwa der Urheber (dessen Genehmigung ich wie erw\u00e4hnt habe), sondern die argumentlosen Beschwerden des Models und des &#8222;Studio&#8220;inhabers. 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