{"id":702,"date":"2010-02-20T09:00:19","date_gmt":"2010-02-20T08:00:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.michael-gelfert.de\/blog\/?p=702"},"modified":"2010-02-25T22:33:49","modified_gmt":"2010-02-25T21:33:49","slug":"bildkritik-teil-1","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/migel-photo.com\/blog\/tutorial\/bildkritik-teil-1\/","title":{"rendered":"Bildkritik &#8211; Teil 1"},"content":{"rendered":"<figure id=\"attachment_703\" aria-describedby=\"caption-attachment-703\" style=\"width: 233px\" class=\"wp-caption alignright\"><a href=\"https:\/\/www.migel-photo.com\/blog\/wp-content\/Bildkritik1.jpg\" rel=\"lightbox[702]\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-703  \" title=\"RAW-Bild\" src=\"https:\/\/www.migel-photo.com\/blog\/wp-content\/Bildkritik1_Leer.jpg\" alt=\"Bildkritik1\" width=\"233\" height=\"350\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-703\" class=\"wp-caption-text\">RAW-Bild<\/figcaption><\/figure>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong><span style=\"text-decoration: underline;\">Nachtrag:<\/span> Dem Leser dieses Artikels wird auffallen, dass das erw\u00e4hnte zu kritisierende Bild fehlt. Ich habe es aus Kulanz, aber ungern, entfernt. Mir ist klar, da\u00df die Verst\u00e4ndlichkeit dadurch deutlich leidet.<br \/>\n<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Grund war nicht etwa der Urheber (dessen Genehmigung ich wie erw\u00e4hnt habe), sondern die argumentlosen Beschwerden des Models und des &#8222;Studio&#8220;inhabers. Wer sich daf\u00fcr bedanken m\u00f6chte: kurze Nachricht an mich, ich versuche dann gern, das weiter zu geben.<br \/>\n<\/strong><\/span><\/p>\n<p><span style=\"color: #ff0000;\"><strong>Zur Klarstellung: Beide haben nach meiner Auffassung keinerlei rechtlichen Anspruch darauf.<br \/>\nDas Model hat in einem Vertrag auf Ihr Recht am eigenen Bild verzichtet. Die Tatsache, da\u00df ihr die selben Nutzungsrechte wie dem Fotografen einger\u00e4umt wurden, ist aber nicht mit einer (nicht \u00fcbertragbaren) Urheberschaft oder gar einem Exklusivrecht gleich zu setzen.<br \/>\nDer &#8222;Studio&#8220;besitzer hat ebenfalls keine Urheberschaft oder Miturheberschaft an dem Lichtbildwerk. Der d\u00fcnne Hintergrund d\u00fcrfte auch vor keinem Gericht als urheberrechtlich gesch\u00fctzes Werk gelten -da hilft auch eine Drohung mit einem Anwalt mir gegen\u00fcber nichts.<br \/>\n<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Vor kurzem kam ich mit einem (Hobby)Fotografen in Kontakt, weil er ein Problem mit seinen Bildern hatte. Dabei sandte er mir auch ein Bild zu, um das Problem zu erl\u00e4utern. Abgesehen von dem besprochenen technischen Problem (das ich hier nicht behandeln werde) fand ich das Bild ideal, um ein paar Tipps loszuwerden, was man bei der Fashion-Fotografie (auch) als Anf\u00e4nger beachten sollte. Dankenswerterweise hat er mir das Bild daf\u00fcr zur Verf\u00fcgung gestellt (und m\u00f6chte nicht genannt werden).<\/p>\n<p>Die etwas umfangreichere Bildkritik teile ich in 2 Teile auf, die ich kurz nacheinander ver\u00f6ffentliche.<\/p>\n<p>Ein kleiner &#8222;Haftungsausschluss&#8220;: Es geht hier nicht um das Modell oder den Fotografen, die sicher beide auch noch viel bessere Bilder haben. Dieses Bild galt nur als ein Beispiel und es sich eignet sich einfach gut zur Kritik, weil man einige bei Anf\u00e4ngern h\u00e4ufig auftretende Fehler gut sieht (was nicht hei\u00dft, da\u00df der entsprechende Fotograf das nicht schon wei\u00df!).<\/p>\n<p>Here we go:<\/p>\n<p>Ich m\u00f6chte in dieser Bildkritik ein paar Worte verlieren \u00fcber den Hintergrund und die Beleuchtung (Teil 1), \u00fcber das Styling\/Outfit, das Posing (damit teils verbunden: Bildaufbau) und die Perspektive (Teil 2).<\/p>\n<p><!--more-->Beginnen wir also mit dem Hintergrund. An den Falten ist recht einfach zu erkennen, dass es sich um einen Stoffhintergrund handelt. Das ist nicht ungew\u00f6hnlich, z\u00e4hlt Stoff neben Papier doch zu den beliebtesten und am h\u00e4ufigsten verwendeten Hintergrund-Arten im Studio. Das offensichtliche Problem mit diesem Stoff ist, da\u00df er zu d\u00fcnn ist. Die verschiedenen, pastellartigen Farben, die sich dort zeigen, sind durscheinende Gegenst\u00e4nde. Die vielen Farben machen den Hintergrund unruhig und w\u00fcrden h\u00f6chstens zu einem sehr flippigen Bild passen. Also:<\/p>\n<p><strong><span style=\"color: #008000;\">1. Hintergrund zu d\u00fcnn &#8211; Abhilfe: Dickeren Hintergrundstoff verwenden<\/span><br \/>\n<\/strong><\/p>\n<p>Das n\u00e4chste offensichtliche Problem mit dem Hintergrund habe ich schon erw\u00e4hnt und das d\u00fcrfte vermutlich jeder kennen, der schon mit Hintergrundstoffen gearbeitet hat: Falten.<br \/>\nDie L\u00f6sung f\u00fcr dieses Problem ist nicht ganz trivial und besteht aus mehreren Schritten. Zum einen kann man Stoffe verwenden, die nicht so stark zum Knittern neigen. Schwerere und dickere Stoffe knittern zudem im allgemeinen weniger als leichte d\u00fcnne. Dieses Hintergrundmaterial sollte vor allem an den Ecken immer vern\u00fcnftig gespannt werden, damit er nicht &#8222;durchh\u00e4ngt&#8220; (obwohl das auf diesem Bild kein Problem zu sein scheint).<\/p>\n<figure id=\"attachment_708\" aria-describedby=\"caption-attachment-708\" style=\"width: 350px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.migel-photo.com\/blog\/wp-content\/Bildkritik2_HG1_Leer.jpg\" rel=\"lightbox[702]\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-medium wp-image-708  \" title=\"Hintergrund-Fehler\" src=\"https:\/\/www.migel-photo.com\/blog\/wp-content\/Bildkritik2_HG1_Leer.jpg\" alt=\"Blendet man das Model aus und stellt die Farb- der Schwarz-Wei\u00df-Wandlung gegen\u00fcber, sieht man klar die st\u00f6renden Farben, Muster und Falten.\" width=\"350\" height=\"262\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-708\" class=\"wp-caption-text\">Blendet man das Modell aus und stellt die Farb- der Schwarz-Wei\u00df-Wandlung gegen\u00fcber, sieht man klar die st\u00f6renden Farben, Muster und Falten.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Der Abstand des Modells vom Hintergrund ist hier sehr gering, was man deutlich sieht. Das f\u00fchrt nicht nur dazu, da\u00df das Bild recht flach wirkt und man unwillk\u00fcrlich den Eindruck hat, das Foto w\u00e4re auf engstem Raum aufgenommen, die Tiefensch\u00e4rfe zeigt auch die Falten \u00fcberdeutlich. Arbeitet man hier eventuell mit gr\u00f6\u00dferer Blende (kleinerer Blendenzahl) und gr\u00f6\u00dferem Abstand, k\u00f6nnten die Falten schon durch die Unsch\u00e4rfe verschwinden.<br \/>\nDer gr\u00f6\u00dfere Abstand l\u00e4sst (hoffentlich) auch weniger Licht auf den Hintergrund fallen, was die Falten im Dunkel verschwinden l\u00e4sst. Womit wir schon das n\u00e4chste Thema, die Beleuchtung, anschneiden.<br \/>\nWei\u00dfe Stoffe kann man gezielt separat ausleuchten und damit Falten &#8222;\u00fcberblitzen&#8220; (und ein &#8222;cleanes&#8220; Bild schaffen), schwarze l\u00e4\u00dft man in Dunkelheit versinken.<\/p>\n<p><span style=\"color: #008000;\"><strong>2. Falten im Hintergrund &#8211; Abhilfe: Knitterfesteren, dickeren, schweren Stoff verwenden; Stoffe gut spannen; gr\u00f6\u00dferen Abstand Modell &#8211; HG herstellen, gr\u00f6\u00dfere Blende verwenden; Hintergrund gezielt ausleuchten oder im Dunkeln versinken lassen<\/strong><\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_723\" aria-describedby=\"caption-attachment-723\" style=\"width: 133px\" class=\"wp-caption alignleft\"><a href=\"https:\/\/www.migel-photo.com\/blog\/wp-content\/Bildkritik3_HG-Licht.jpg\" rel=\"lightbox[702]\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-thumbnail wp-image-723 \" title=\"Hintergrund-Licht (Spot)\" src=\"https:\/\/www.migel-photo.com\/blog\/wp-content\/Bildkritik3_HG-Licht_Leer.jpg\" alt=\"Hinter dem Model ist klar die Corona einer Lichtquelle zu erkennen.\" width=\"133\" height=\"200\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-723\" class=\"wp-caption-text\">Hinter dem Modell ist klar die Corona einer Lichtquelle zu erkennen.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Bei der Beleuchtung m\u00f6chte ich mit dem Hintergrundlicht anfangen. Die Corona um die Mitte des Modells zeigt, dass hier ein Licht gesetzt wurde.<br \/>\nHinter dem Modell kann man kein Stativ erkennen, die Pose k\u00f6nnte ein solches ebenfalls kaum verstecken. Auch ein Galgen w\u00e4re im Bild sichtbar bei der offensichtlichen frontalen Ausrichtung des Lichtkegels. Das macht klar, dass die Lampe nur hinter<strong> <\/strong>dem Hintergrund stehen kann. Das macht in den seltensten F\u00e4llen Sinn (da Hintergr\u00fcnde normalerweise nicht so gut durchscheinend sind) und ist auch nur durch die ung\u00fcnstige Positionierung des Modells so nah am Hintergrund n\u00f6tig.<br \/>\nSinn eines Hintergrundlichtes ist es, das Motiv besser vom Hintergrund zu &#8222;trennen&#8220; oder aber einem fl\u00e4chigen Hintergrund mehr &#8222;Auflockerung&#8220; zu verpassen.<br \/>\nBeides ist in diesem Fall aber nicht n\u00f6tig. Anders s\u00e4he das bei einem v\u00f6llig schwarzen Hintergrund aus, bei dem die dunkle Kleidung des Modells mit dem Hintergrund &#8222;verschmelzen&#8220; w\u00fcrde. Hier w\u00fcrde es Sinn machen, entweder das Modell von hinten oder seitlich oder den Hintergrund anzustrahlen, um eine &#8222;Trennung&#8220; zu bewirken.<br \/>\nEinen z.B. grauen Hintergrund k\u00f6nnte man mit einem Licht &#8222;auflockern&#8220; &#8211; dieser hier ist aber schon unruhig genug.<\/p>\n<p><span style=\"color: #00ccff;\"><strong>3. Unn\u00f6tiges Hintergrundlicht &#8211; Abhilfe: Weglassen<\/strong><\/span><\/p>\n<p>Die Beleuchtung des eigentlichen Motivs, des Modells, bietet auch noch viel Verbesserungspotential.<br \/>\nSie zeigt eine perfekte Anwendung der leider falschen, bei vielen Anf\u00e4ngern aber bedauerlicherweise genauso weit verbreiteten Regel &#8222;viel hilft viel&#8220;. Gemeint ist damit Licht.<br \/>\nIch halte dieser meine ganz pers\u00f6nliche erste Regel entgegen: &#8222;Im Studio haben wir immer zu wenig Klamotten und <strong>zu viel Licht<\/strong>.&#8220; (siehe: <a href=\"\/blog\/?p=502\" target=\"_blank\">11 Regeln!<\/a>)<br \/>\nDie Kunst in der Beleuchtung liegt i.d.R. nicht darin, m\u00f6glichst viel Licht und m\u00f6glichst wenig Schatten zu produzieren. Die Herausforderung ist, Schatten zu kontrollieren und zu nutzen. Mein Praxistipp zu Beleuchtung lautet deshalb: <strong>Arbeitet (und denkt) nicht mit Licht, sondern mit Schatten.<\/strong> Schatten sorgen f\u00fcr Tiefe und Dreidimensionalit\u00e4t, erzeugen Dramatik und priorisieren (heben Dinge hervor oder verschleiern sie).<\/p>\n<p>Konkret k\u00f6nnte man das hier erreichen in dem man Lichtformer mit weniger gro\u00dfer Streuung einsetzt und weniger frontal setzt. Schatten m\u00fcssen nicht komplett eleminiert werden, sondern sollten zur Betonung der hellen Stellen eingesetzt werden.<br \/>\nBei einem gr\u00f6\u00dferen Abstand zwischen Modell und Hintergrund ergibt sich auch ein Helligkeitsverlauf in den Raum, der der Aufnahme mehr Tiefe verleiht.<\/p>\n<p><span style=\"color: #00ccff;\"><strong>4. Flache Ausleuchtung &#8211; Abhilfe: kleinere Lichtformer (mit weniger Streuung); kein\/weniger frontales Licht; gr\u00f6\u00dferer Abstand Modell &#8211; HG<\/strong><\/span><\/p>\n<figure id=\"attachment_745\" aria-describedby=\"caption-attachment-745\" style=\"width: 574px\" class=\"wp-caption alignnone\"><a href=\"https:\/\/www.migel-photo.com\/blog\/wp-content\/Beleuchtung_Bsp1_Leer.jpg\" rel=\"lightbox[702]\"><img loading=\"lazy\" class=\"size-full wp-image-745    \" title=\"Beleuchtung Beispiel vs. Beispiel\" src=\"https:\/\/www.migel-photo.com\/blog\/wp-content\/Beleuchtung_Bsp1_Leer.jpg\" alt=\"Ein Bild aus meinem Archiv zum Vergleich. \u00c4hnlich und doch ganz anders. Die genaue Betrachtung zeigt: Hier gibt's ne Menge Schatten!\" width=\"574\" height=\"480\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-745\" class=\"wp-caption-text\">Ein (gespiegeltes) Bild aus meinem Archiv (auch aus dem RAW) zum Vergleich. \u00c4hnlich und doch ganz anders. Die genaue Betrachtung zeigt: Hier gibt&#39;s &#39;ne Menge Schatten!<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das war schon ne ganze Menge und \u00c4nderungen, die viel ausmachen. Zu Posing, Styling und Perspektive komme ich im n\u00e4chsten Teil.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Nachtrag: Dem Leser dieses Artikels wird auffallen, dass das erw\u00e4hnte zu kritisierende Bild fehlt. Ich habe es aus Kulanz, aber ungern, entfernt. Mir ist klar, da\u00df die Verst\u00e4ndlichkeit dadurch deutlich leidet. Grund war nicht etwa der Urheber (dessen Genehmigung ich wie erw\u00e4hnt habe), sondern die argumentlosen Beschwerden des Models und des &#8222;Studio&#8220;inhabers. 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