10 Fehler, die ich nicht mehr mache – und warum!

Im letzten Artikel habe ich meine häufigen Fehler bei Fotoshootings aufgeschrieben, die ich bisher nicht zu 100% ausmerzen konnte. Diesmal gibt es ein paar Fehler, die ich früher gemacht habe […]

Im letzten Artikel habe ich meine häufigen Fehler bei Fotoshootings aufgeschrieben, die ich bisher nicht zu 100% ausmerzen konnte. Diesmal gibt es ein paar Fehler, die ich früher gemacht habe und die viele Beginner machen, die ich aber weitgehend hinter mir gelassen habe. Und für den Lerneffekt verrate ich auch, wie ich das gemacht habe.

1. Falsche Belichtung. – Mit der Zeit kann man lernen, die Belichtung auf dem Kameradisplay recht gut einzuschätzen. Meine Genauigkeit lag damit bei +/- 1 Blende. Ich erinnere mich aber konkret an einen Fall als Beispiel, wo das nicht ausreichte: Eine stark reflektierende Tapete liess mich glauben, das Motiv sei richtig belichtet. Tatsächlich aber war die Tapete zu hell und das Model zu dunkel, wie sich am kalbrierten Monitor zu Hause rausstellte. Mit einem Belichtungsmesser liege ich inzwischen bei einer Abweichung von +/- 1/3 Blende (ein Belichtungsmesser muss auch richtig genutzt und interpretiert werden, was zu den leichten Schwankungen führen kann). Ganz wichtig übrigens: Nichts zwischen die Messkalotte und Lichtquelle kommen lassen. Nicht den Körper, nicht das Model-Kinn, nicht den eigenen Arm… Ja, wir haben Erfahrung damit.

Was lief hier falsch? Siehe Punkt 3!

Was lief hier falsch? Siehe Punkt 3!

2. Diskussionen über den Modelvertrag. – Das ist vor allem ein Problem bei Hobby- und Semipro-Modellen und Testshootings (bei Jobs und Profis kommt das viel seltener vor). Ich sende den Vertrag frühzeitig zu und bitte die Modelle, ausgefüllte Exemplare mitzubringen. Bevor die erste Aufnahme gemacht wird, werden die Verträge unterschrieben und ausgetauscht. Diskussionen gibt es da so gut wie nie – und wenn doch, kann ich entscheiden, kein Shooting durchzuführen.

3. Ohne Gegenlichtblende fotografieren. – Gerade bei Canon bringen sehr viele Objektive leider keine Gegenlichtblende (korrekter: Streulichtblende)  mit. Diese gibt es ziemlich teuer extra zu kaufen. Die Investition lohnt sich aber mehrfach. Kauft sie! Zum einen schützt sie physisch vor Beschädigungen des Objektivs (vor allem der Frontlinse). Zm anderen schützt sie vor den negativen Einflüssen von ungewolltem Streulicht. Dieses mindert den Kontrast, lässt Farben verwaschen, verursacht “Flares” und kann sogar den Autofokus stören. Das passiert übrigens auch da, wo man nicht damit rechnet – wenn man im Studio direkt neben/unter dem Beauty Dish steht, z.B. Ich habe und benutze kein einziges Objektiv ohne GeLi mehr!

4. Die Akkus sind mitten im Shooting leer. – OK, das zu beheben ist leicht. Zum einen besorgt man sich mindestens einen Ersatzakku, zum anderen gewöhnt man sich an, vor jedem Shooting die Ausrüstung nochmal zu checken und Batterien zu laden. Dabei helfen mehrere Ladegeräte. Zur Not liegt ein weiteres Ladegerät im Studio.

Ob mit oder ohne Helfer - auch beim Reflektor einstellen kann man Fehler machen.

Ob mit oder ohne Helfer - auch beim Reflektor einstellen kann man Fehler machen.

5. Den Reflektor falsch ausrichten. – Einen Reflektor (ich meine damit Licht reflektierende Flächen, nicht die Lichtformer) richtig auszurichten, ist gar nicht SO einfach. Ein Fehler, der einem schnell unterläuft und dann für Kopfkratzen sorgt ist es, den Reflektor an der falschen Lichtquelle auszurichten. Ganz schnell passiert das z.B., wenn man im Studio noch Dauerlicht (Deckenlicht) an hat. Abhilfe: Deckenlicht aus- und Einstelllicht einschalten. Geht das nicht, hilft nur die eigene Vorstellungskraft. Auf für (reflektiertes) Licht gilt: Einfallswinkel gleich Ausfallswinkel.

6. Schlechte Bilder machen. – Ha, das klingt clever. Einfach nur gute Bilder machen. Super Tipp. 😀 Was ich damit aber wirklich meine: Auch mal auf das Foto zu verzichten, wenn einen das Motiv schon im Sucher nicht überzeugt oder nach einem Testfoto einfach nicht so aussieht, wie man sich das vorgestellt hat. Viele machen trotzdem eine ganze Bildserie, weil man ja “später löschen” oder “in Photoshop vielleicht noch was rausholen” kann. Das ist aber meistens ein Eigentor. Ihr verschenkt Zeit und Energie, die Ihr in bessere Fotos investieren könntet. Ihr verbringt später viel mehr Zeit beim Aussortieren der Bilder. Das Shooting wirkt weniger erfolgreich beim Durchschauen, als es hätte sein können. Wenn Ihr einem Model während des Shootings Bilder präsentiert, wirkt Ihr durch die schlechten weniger kompetent. Professionell ist, Probleme zu beheben oder gegebenenfalls auch mal ein Motiv zu verwerfen, statt trotzdem draufzuhalten.

7. Ein gewisser (nicht unwesentlicher) Teil der Aufnahmen wird schwarz. – Das Problem ist i.d.R., daß die Blitze nicht auslösen oder zu spät zünden. Schuld daran ist entweder ein leicht defektes Synchronkabel (die Dinger sind ziemlich empfindlich und manchmal reicht schon ein leichter Knick oder ein Drauftreten) oder ein unzuverlässiger Funkauslöser. Mit letzterem hatte ich früher öfter zu kämpfen. Meine Lösung: zuverlässige Funkauslöser (kaum Aussetzer habe ich mit den Hensel Strobe Wizard Plus und den Elinchrom Skyport, bald teste ich wohl noch Phottix Atlas). Habt Ihr schon hochwertige Auslöser, hilft vielleicht ein Nachladen bzw. Batterienwechsel. Wird nur ein Streifen auf dem Bild zu dunkel, seid Ihr übrigens über die Blitzsynchronzeit hinaus. Wählt dann einfach eine längere Verschlußzeit (z.B. 1/200 statt 1/250).

8. Sich mit sich verstellenden Schaltern rumärgern. – Ich denke dabei an einen ganz konkreten Fall. Beim Canon EF 70-200mm f2.8 L IS USM (Version I) verstellte sich bei mir jedes mal unbemerkt der AF/MF-Schalter, wenn ich das Objektiv in der Hand ablegte. Das war während einer Runway-Show. Irgendwann reichte es mir. Ich hab dann meinen Assistenten den Schalter  mit Gaffa-Tape fixieren lassen. Ja, Gaffa-Tape hält so gut wie ALLES fest. Die Leser meines Buches wissen, was ich meine… 😉

9. Modelle während des Shooting die ganze Zeit auf den Monitor/in den Spiegel sehen lassen. – Viele Modelle schätzen es sehr, während des Shootings immer den Monitor oder wenigstens einen Spiegel im Blickfeld zu haben. Das häufigste Argument ist, Posing und Mimik beobachten und verbessern zu können. Das ist ja als Idee gut und lobenswert, funktioniert beim Shooting unserer Erfahrung nach aber meist so gar nicht: Das Posing wird aufgesetzt und “gewollt” wirken, ohne so richtig zu überzeugen. Selbst die oft überzogenen und merkwürdig wirkenden Fashion-Posen (nein, GERADE die!) erfordern Übung, sehr viel Körpergefühl und -spannung. Posing lässt sich nicht erst während des Shootings lernen. Das kann (und sollte) man vorher zu Hause vor dem eigenen Spiegel üben. Das wichtigste aber: Die Aufmerksamkeit und Augen des Modells werden ständig bei Monitor oder Spiegel sein – und nicht beim Fotografen!

10. Ständig auf’s Kameradisplay kucken. – Die englisch-zungigen nennen es auch gern abfällig “chimping”. Nach jedem Foto kommentarlos auf den Bildschirm starren stört den Fluss des Shootings und Konzentration von Modell und Fotograf. Das Ihr anscheinend ständig kontrollieren müsst, lässt Euch zudem unsicher und inkompetent wirken. Kontrolliert oft und gründlich beim Einrichten des Sets – und kommuniziert das auch. Während des Shootings schaut man nicht mehr nach JEDEM Bild. Versucht lieber, einige Pausen einzulegen, in denen auch der Rest des Teams mal in Ruhe ein paar Blicke auf Bilder werfen kann.

Besser nicht übertreiben: "Chimping"

Besser nicht übertreiben: "Chimping"

Über 

Professioneller Fashion- & Beauty-Fotograf mit und aus Leidenschaft.

Ebenfalls aus Herzblut: Dozent, Autor.

Wurde nicht mit einer Kamera geboren, sie ist inzwischen aber angewachsen.

Hat einen "(Blitz)Lichtfetisch". Umfangreiches Technik- & Fotowissen.
Kann trotzdem brauchbare Fotos machen.

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