Review: SanDisk Eye-Fi – WLAN für die DSLR

So eine kabellose Übertragung von Bildern scheint praktisch, insbesondere bei der heutigen Verbreitung von Smartphones und Tablets. On Location eine Bildkontrolle auf einem zweiten Gerät zu haben (z.B. für den […]

So eine kabellose Übertragung von Bildern scheint praktisch, insbesondere bei der heutigen Verbreitung von Smartphones und Tablets. On Location eine Bildkontrolle auf einem zweiten Gerät zu haben (z.B. für den Kunden, Art Director oder Assistenten) oder das Foto einfach auf einem größeren Display zu betrachten ohne dabei an Kabel gefesselt zu sein – das klingt verführerisch. Was heute bereits in einigen digitalen Kompaktkameras eingebaut ist, ist bei DSLRs allerdings noch die absolute Ausnahme. Lediglich die Canon EOS 6D hat ebenfalls ein eingebautes WLAN-Modul. Für viele andere Kameras (sowohl von Canon als auch Nikon) gibt es allerdings optional erhältliche WLAN-Adapter. Das Problem: Sie sind exorbitant teuer und passen i.d.R. nur an eine oder wenige Kameras. Bei einem Wechsel wird der teure Adapter oft unbrauchbar.

Eine Alternative zu den herstellereigenen WLAN-Adaptern könnten die schon seit längerem erhältlichen Eye-Fi-Karten sein, die inzwischen in Europa von Sandisk vertrieben werden. Ich habe eine solche Karte über einen längeren Zeitraum getestet. Eines vorweg: Den ganzen Komfort eines vollwertigen Adapters, wie die kabellose Steuerung der Kamera, bekommt man mit der Karte nicht.

Die Eye-Fi gibt es nur als SD-Karte, in Speichergrößen von 4 oder 8 GB. WLAN-Modul und Antenne sind in die Karte integriert. Selbst 8 GB sind bei RAW+JPEG-Aufzeichnung in heutigen Kameras nicht viel, deswegen empfehle ich die Verwendung vor allem in den Kameras, die 2 Kartenslots haben. Hier kann man auf die Eye-Fi nur die JPEGs speichern (und übertragen) lassen, was die praktikabelste Lösung darstellt. Dafür genügt die 4 GB-Variante völlig. Die RAW-Übertragung beherrschen die SanDisk-Karten übrigens ohnehin nicht.
Über einen Adapter ist unter Umständen auch ein Betrieb der Karte in einem CF-Slot möglich, ich rate aber eher davon ab. Zum einen funktionieren nur wenige Adapter überhaupt, zum anderen sind wegen des Metalls in diesen Adaptern die Reichweite und Übertragungsgeschwindigkeit stark herabgesetzt. Eine Modifikation des Adapters mit Ersatz der Metallrückplatte durch z.B. Kunststoff ist also nötig. Wie ich von einem Bekannten aus erster Hand weiß, kommt es aber auch dann gelegentlich zu Datenfehlern, die einzelne Bilder zerstören.
Zusammenfassend also nochmal: Ich empfehle die Karte hauptsächlich für Kameras mit 2 Kartenslots, von denen mindestens einer ein SD-Slot ist. Mit starken Einschränkungen (wegen der Speichermenge und geringen Schreibgeschwindigkeit) verwendbar ist sie auch für Kameras mit nur einem SD-Fach.

Eye-Fi im praktischen Einsatz

Eye-Fi im praktischen Einsatz.
Das Tablett unten links zeigt die geschossenen Bilder.

Die Einrichtung

Die Einrichtung der Eye-Fi-Karten ist für jeden kinderleicht. – OK, Spaß beiseite.
In Wahrheit finde ich die Einrichtung der Karte eine Katastrophe. Was nicht zuletzt mit der äußerst dürftigen Beschreibung und der alles andere als optimal zu bedienenden Software zusammenhängt. Das man auch noch einen PC mit Internetanschluß benötigt tut sein übriges.

Ja, richtig gelesen. Wer keinen PC/Laptop oder keinen Internet-Anschluß hat, kann das Ding nicht einrichten. Erscheint irgendwie schwachsinnig angesichts der vielen Tablet-PCs heute. Besonders wenn man bedenkt, dass Eye-Fi sowohl ein Internet-Portal für seine Nutzer als auch Software für Android und iOS hat. Allein, über keinen dieser Wege lässt sich eine neue Karte registrieren. Oder ein neues WLAN in der Karte speichern. Sehr, sehr ärgerlich. Genauso wie die überhaupt notwendige Registrierung des Kunden und seiner Karte sowie Netze im Online-Konto von Eye-Fi.
Änderungen an den Karteneinstellungen (wie den gespeicherten WLAN-Netzen) funktionieren unterwegs auch nur mit PC UND Internetanschluss.

Wir haben uns die Mühe gemacht, eine kleine Stichpunktliste zur Einrichtung zu machen. Mit der ist es wirklich durchführbar, so eine Liste müßte im Handbuch, im Internet UND auf der Karte selbst zu finden sein – was sie natürlich nicht ist.

  1. PC-Software installieren
  2. Eye-Fi-Konto erstellen
  3. Karte registrieren (Karte muß in PC eingesteckt sein)
  4. Über die PC-Software das eigene WLAN eintragen
  5. (a) Speicherort auf dem PC einstellen. Fertig für Benutzung auf dem PC.
    (b) für mobile Geräte: Software dort installieren, mit dem angelegten Konto dort anmelden
  6. In der mobilen Software auf Einstellungen->Eye-Fi-Karteneinstellungen->Eye-Fi-Karte->Haken setzen bei “auf dieses Gerät hochladen”
  • Soll statt dem Infrastruktur-Modus der Direct Mode benutzt werden, muß das in der PC-Software (bei eingesteckter Karte) aktiviert werden. Auf dem mobilen Gerät muß man sich anschließend mit dem Netz der Karte verbinden.
    Das funktioniert nur, wenn entweder kein WLAN-Netz in der Karte gespeichert ist oder sich keins der gespeicherten Netzte in Reichweite befindet.

Alles in allem bekommt die Einrichtung der Karte nach all dem Ärger den ich damit hatte und wegen der schlechten Dokumentation sowie dem Anmeldezwang 2 Punkte Abzug in der Gesamtwertung.

 

Eye-Fi on Location

Die Eye-Fi ist on Location nun immer dabei. In der roten Tasche ist das Tablett schnell griffbereit.

Reichweite

Was die Reichweite anbelangt so kam ich in meiner Canon EOS 1Ds Mark III in Tests kaum über eine Reichweite von 3 Metern im Direct Mode. Etwas mehr (ca. 1-2 Meter mehr) waren möglich, wenn ich mein Handy als Hotspot und die Karte im Infrastruktur-Modus benutzte. Als Empfangsgerät diente mein Asus Transformer Prime-Pad. Man muß dazu allerdings 2 Dinge betonen: 1. Die Reichweite wurde vermutlich von der Kamera und vom Pad limitiert. Je nach Aufbau der Kamera und Empfangseigenschaften des Pads kann die Reichweite besser ausfallen. 2. Die Bilder werden auch verzögert übertragen, d.h. Bilder die ausserhalb der Reichweite gemacht wurden werden übetragen, sobald man wieder in Reichweite kommt.
In der Praxis hat sich die Reichweite erstaunlicherweise bisher kaum als Problem dargestellt. Ich würde dafür trotzdem einen Punkt abziehen wenn ich nicht wüßte, dasss es mit anderen Geräten durchaus besser ausfällt.

Schreib- und Übertragungsgeschwindigkeit

Vom ersten Auslösen bis zur Übertragung des Bildes dauert es bei mir in etwa 8s. Eine ziemlich lange Zeit, dafür geht es danach mit ca. 2s pro Bild deutlich schneller. Allerdings sind das bei mir JPEGs mit etwa 5 MP Auflösung und grade um die 600kB Größe. Für die Betrachtung auf einem 10 Zoll-Tablets ist das allerdings mehr als genug. Dennoch: rasend schnell ist anders.

Das die Eye-Fi-Karte von SanDisk nur Class 4 eingestuft ist, ist bei reiner JPEG-Speicherung nicht weiter relevant. Verwendet man sie als alleinige Karte, dauert es aber deutlich länger bis 10 RAW+JPEG (S) weggespeichert sind als bei einer Class 10-Karte. Das Sandisk als großer und renomierter Speicherkartenhersteller hier spart, ist mir völlig unverständlich. Man erkennt hier klar die Ausrichtung auf den Amateurmarkt (also Point-&Shootkameras). Bei Filmen bekäme man da aber ggf. auch schon Probleme und eine Pro-Linie gibt es ja gar nicht erst.

Zuverlässigkeit

Die Eye-Fi-Karte weist eine interessante Eigenart auf, die sowohl bei der Reichweite als auch der Zuverlässigkeit zu tragen kommt und die ich so nicht oft erlebt habe. Sie schneidet im praktischen Einsatz deutlich besser ab als in konstruierten Tests, selbst wenn die praxisgerecht sein sollten. So treten in Tests ziemlich unregelmässig aber häufig Aussetzer auf, wo einfach keine Bilder mehr übetragen werden oder die Übertragung plötzlich sehr lange dauert. In der Praxis tritt das zwar auch ab und an auf, aber zum einen deutlich seltener und meistens kann man die Übertragung auch der fehlenden Bilder durch Schießen eines neuen Bildes wieder in Gang bringen.

Sonstiges

Der Stromverbrauch der Karte ist nicht zu verachten, weshalb ich die Karte aus der Kamera nehme, wenn ich die kabellose Übertragung nicht brauche. Neuere Kameras wie die Nikon D600 oder die Canon EOS 5D Mark III haben aber eine Unterstützung der Eye-Fi bereits integriert, was auch ein besseres Energiemanagement bedeutet.

Die Kamera hat noch einige Extra-Features wie den automatischen Upload in diverse Soziale Netzwerke. Ich nutze die Karte allerdings nur zur Bildkontrolle und habe so keine Verwendung für die anderen Funktionen und finde sie persönlich auch nicht sinnvoll. Sie blieben deshalb für den Test auch aussen vor.

Eye-Fi im Test/ReviewFazit

Rein die einzelnen Kategorien betrachtet schneidet die Eye-Fi nicht besonders gut ab. Mein erster Eindruck war auch verheerend. Nach einigen Monaten sehe ich das aber anders.
In der Praxis ist sie ein Tool geworden, auf das ich nur ungern wieder verzichten will. Gerade Outdoor oder on Location greife ich regelmäßig auf die Möglichkeit zurück, die Bilder schnell auf dem Tablett betrachten zu können.
Denn ist erstmal alles (kompliziert) eingerichtet, funktioniert das Ganze ziemlich simpel und einfach. Wie die Bilder auf “magische Weise” erscheinen ist immer wieder ein netter Effekt für Uneingeweihte und das Tablett die deutlich bequemere Alternative zum Laptop mit USB-Kabel an der Kamera.
Die Eye-Fi hat dazu beigetragen, Shoots ausserhalb des Studios schneller und komfortabler zu machen. Das verdient defintiv Anerkennung. Und der Preis der Karten ist zum Glück auch recht niedrig.
Wenn man also genau das sucht und bereit ist, sich mit der Einrichtung herumzuschlagen, dann verdient die Sandisk Eye-Fi eine Kaufempfehlung.

 

Blitz-Wertung Sandisk Eye-Fi

Die Sandisk Eye-Fi verdient sich (knappe) 6 Blitze als Wertung – und auch das nur wegen des guten Langzeiteindrucks.

 

Über 

Professioneller Fashion- & Beauty-Fotograf mit und aus Leidenschaft.

Ebenfalls aus Herzblut: Dozent, Autor.

Wurde nicht mit einer Kamera geboren, sie ist inzwischen aber angewachsen.

Hat einen "(Blitz)Lichtfetisch". Umfangreiches Technik- & Fotowissen.
Kann trotzdem brauchbare Fotos machen.

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