Gastrezension: Die große Praxis-Referenz: Photoshop Elements 11 (Kyra Sänger, Christian Sänger)

Anmerkung: Dies ist ein Gastbeitrag von Maren Succo. Auch für diesen Beitrag gelten die Review-Regeln (natürlich aus IHREM Blickwinkel).

Kurz zu mir.

Ich begann in 2007 mit der „ernsthaften“ Fotografie. Bis dahin hatte ich zwar schon immer gerne „geknipst“, aber die guten Bilder waren eher ein Zufallsprodukt.
Durch meinen damaligen Partner entdeckte ich Blende, Belichtungszeit und alle anderen wichtigen Dinge der Fotografie und plötzlich waren die gelungenen Bilder nicht mehr nur dem Zufall überlassen.

Ich fotografiere gerne Details und Makros, alte Industrieteile und -gebäude und alles im Hamburger Hafen.

Mehr von mir und meine Bilder findet Ihr unter:

www.ms-photographs.com

Die große Praxis-Referenz: Photoshop Elements 11

Die große Praxis-Referenz: Photoshop Elements 11

Bisher habe ich meine Bilder überwiegend mit Lightroom auf den PC gebracht und dann dort auch nur in kleinem Rahmen bearbeitet.
Einfache Korrekturen wie das Geraderücken des Horizontes, einzelne Male auf der Haut entfernen, etc. funktionieren in Lightroom hervorragend. Und vor allem zum sinnvollen und einfachen Katalogisieren aller Fotos empfehle ich jedem (Hobby-) Fotografen dieses Programm, aber…
Sobald ich weitergehende Korrekturen oder Bearbeitungen vornehmen wollte, scheiterte ich an meinen mickrigen Photoshop Kenntnissen. Jedoch wird irgendwie von jedem (Hobby-) Fotografen, Photoshop als das Non-plus-ultra Programm genannt, aber die vielen – aus der Historie gewachsenen – unsinnigen Begriffe und Möglichkeiten konnten sich mir meist nicht erschließen.

Mit der Zeit hörte ich immer häufiger, dass Photoshop Elements (im Folgenden PSE genannt) inzwischen sich so sehr an Photoshop (PS) herangearbeitet hat, dass man damit auch sehr gut arbeiten kann und vor allem die destruktive (verlustbehaftete) Arbeitsweise, mit einem Anwenderprogramm für Fotobearbeitung, endlich der Vergangenheit angehört. (Ich meine damit, dass man auch in PSE mit Ebenen arbeiten kann und damit jeden einzelnen Bearbeitungsschritt rückgängig machen kann, ohne später darauffolgende mitlöschen zu müssen!)
Zudem verarbeitet PSE auch RAW Dateien, also Bild-Negative, die ALLE Bildinformationen enthalten, während Bilder, die im JPEG Modus direkt in der Kamera gespeichert werden, bereits komprimiert und damit mit Bildinformationsverlusten „behaftet“ sind.

Nähere Infos dazu gibt es auf vielen Onlineseiten. Sollte man sich ernsthaft mit dem Hobby Fotografie beschäftigen, kommt man um die Verarbeitung von RAW Dateien nicht herum.

Daher entschloss ich mich, PSE 11 eine Chance zu geben und damit tiefer in die Welt der Bildbearbeitung vorzudringen. Dabei soll mir dieses Buch* helfen.

Das Buch

Das Buch* startet mit einer Einleitung durch die Autoren. Da das für mich ein bisschen zu sehr nach Hobby-Homepage klang, gefiel mir die Einleitung nicht so gut.
Grundsätzlich wird erstmal erklärt, was das Ziel dieses Buches ist – es soll Nachschlagewerk und Workshop für den sicheren Umgang sein und zeigt noch kurz auf, was die Veränderungen zur Vorgängerversion von PSE 11 sind.
Es umfasst knapp 1.000 Seiten(!), ist in 18 Kapitel eingeteilt und kostet € 39,95. Das Buch ist in einem festen, wertigen Einband und ordentlich gebunden. Zudem erhält mit dem Kauf des Buches auch einen Onlinezugang und kann das Buch so als Nachschlagewerk auch auf einem Handy, Tablett oder dem PC installieren.
Dafür ist jedoch eine Registrierung bei Data Becker erforderlich, was mich persönlich stört, ich aber zum richtigen Testen dann doch durchgeführt habe.
Diese Zwangsregistrierung verstehe ich jedoch nicht! Wofür braucht Data Becker meine Daten, um mir ein Buch auch online / offline zur Verfügung zu stellen. Ich weise mich ja schon durch einen Zugangscode als rechtmäßiger Käufer aus.

Daher hier einen Punkt Abzug für das Datensammeln.

Die Bedienung des heruntergeladenen Buches ist nicht zu 100% selbsterklärend, zwar sind am oberen Rand einige Bedienelemente (Lesezeichen setzen, Lesezeichenliste, Seitenübersicht, Suchfunktion, Inhaltsverzeichnis, Verkleinern und Vergrößern der Ansicht), jedoch musste ich die Vorwärts- und Zurückblättern Funktion erst suchen und fand sie nur durch Zufall am linken und rechten Rand des Bildes, weil ich mit der Maus darübergefahren bin. Das Buch wird übrigens im Browser dargestellt.

Zusätzlich kann man direkt von der Data Becker Homepage (passwortgeschützt) Beispielbilder herunterladen und hat so die Möglichkeit, für die Kapitel 3 – 16 in den einzelnen Schritten, wie im Buch erklärt, die Herangehensweise nachzuvollziehen / nachzumachen.

Es gibt dort sogar noch Material für kostenlose Zusatzworkshops und einem sinnigen und umfangreichen Vergleich zwischen PS und PSE.

Inhalt der Zusatzworkshops:

  • Workshop: Augenglanz erhöhen
  • Vom Sichtcheck zum Korrekturplan
  • Farbe messen und interpretieren
  • Den Weißabgleich korrigieren
  • Futuristische Bauten mit geringer Sättigung
  • Eigene Stilvorgaben erstellen
  • Colorkey Effekte per Ebenenmaske
  • Eigene Pinselspitzen entwerfen
  • Ausrichtung des Freistellungswerkzeug
  • Duplizieren ausgewählter Motive
  • Photomerge-Gesichter
  • Eigene Stilbilder hinzufügen
  • Manuelles Überblenden zweier Bilder
  • Workshop: Aus Drei mach Eins
  • Workshop: Stormy Balooning
  • Der manuelle Weg zur Spiegelung
  • Grafikvorlage schaffen und diese kolorieren
  • Eigene kleine Weltkugel
  • Was die Rauschfilter noch leisten
  • Blitze herstellen mit Differenz-Wolken
  • Neue Effekte laden
  • Stapelverarbeitung für Copyright Hinweis
  • Text mit Bild füllen per Schnittmaske
  • Text-auf-Form Werkzeug

Für diese umfangreiche Zusatzsammlung gibt’s einen Zusatzpunkt.

Zurück zum Buch*. Es werden Grundlagen des Programmes erläutert, damit man es erstmal richtig kennenlernen kann (z.B. Aufbau, Infos zu den Auswahlmöglichkeiten, etc.). Es werden Tipps gegeben, wie man die Programm-Performance verbessern kann und den Start vereinfacht. Gut finde ich, dass wichtige Tastaturkürzel gleich am Anfang, aber auch immer wieder im Buch aufgeführt werden. Es folgen wichtige Informationen zu Farbraum (sRGB, Adobe, etc.), Auswirkungen von Einstellungen sowie grundlegende Erklärungen der Benutzeroberfläche.
Alles ist leicht verständlich erklärt und enthält viele sinnvolle Details zu den einzelnen Menüpunkten. Außerdem werden individuelle Einstellmöglichkeiten zur Individualisierung des Programmes gegeben.
Dann folgen die ersten Schritte, wie man auf verschiedenen Wegen Dateien im Fotoeditor öffnet (der Fotoeditor ist das Bearbeitungstool – PSE bringt aber auch eine Software zum Organisieren der Fotos mit), erklärt natürlich auch hier kurz, wie man mit RAW Dateien verfährt (dies wird aber in einem späteren Kapitel noch umfangreich besprochen), wie man Arbeitsschritte revidiert oder wiederholt und abschließend Bilder speichert. So erhält der Laie auch leicht verständlich erklärt, was er mit den Reglern Klarheit, Sättigung und Dynamik bewirkt (ich bin mir sicher, dass haben viele Hobbyfotografen meist noch nicht richtig verstanden). Mir war es in jedem Fall eine einfache, aber gute und verständliche Hilfe.
Hier gehen die Autoren wiederum in einfacher und sehr verständlicher Sprache auf die neun verschiedenen Speicherformate und deren sinnvolle Nutzung ein. (GIF, JPEG, PDF, PNG, PSD, PSE, TIFF, LZW, für das Web). Vor allem wird auch hier auf die Komprimierungsverluste von JPEG-Dateien hingewiesen, solange das Bild noch nicht KOMPLETT fertig bearbeitet ist.
Nach den allgemeinen, aber doch sehr ausführlichen Einführungen, beschäftigt sich das Buch in den folgenden Kapiteln mit diesen Themen:

  • Bildbearbeitung mit Ebenen (hier nochmal mit wirklich guten Erklärungen, warum das so sinnvoll ist!)
  • Einfaches Korrigieren und Retuschieren
  • Bunt oder Monochrom: alles über Farbe
  • Hell & Dunkel: Belichtungskorrekturen
  • Gekonnt nachschärfen und weichzeichnen
  • Auswählen und Freistellen
  • Optimieren von Bildgröße und Proportionen
  • RAW-Konvertierung
  • Retuschen: Fehler ausbessern, Klonieren und Schönheitskorrekturen
  • Neue Bilder: Kompositionen und Collagen
  • Filter, Stile und Effekte
  • Mit Text arbeiten

Wie bereits erwähnt, gibt es auf der Data Becker Homepage zu fast allen Kapiteln auch Bildmaterial zum Downloaden (hierfür ist KEINE Registrierung notwendig), damit die beschriebenen Bearbeitungsschritte auch praktisch nachvollzogen werden können.
Da ich in der Vergangenheit nicht wirklich viel mit Ebenen gearbeitet habe, habe ich mir bewusst das Kapitel zu diesem Thema ausgesucht, um einen Praxistest durchzuführen.

Praxisteil

Um die jeweiligen Bilder öffnen zu können, muss man ein Passwort eingegeben. Auf der Internetseite erhält man dazu einen Passworthinweis (z.B. was ist das erste Wort auf Seite 111 im Buch). Allerdings erscheint dieser Hinweis NUR auf der Data Becker Homepage. Wenn man die Dateien aber eventuell gleich runterlädt, aber erst später nutzt, dann ist es
doch mühsam diese Hinweise wieder rauszusuchen. Hier könnte man die Passwortabfrage auch ohne Probleme in den Unzip-Verlauf integrieren.
Ansonsten erklären die Autoren auch mir als totaler Ebenen-Anfänger die verschiedenen Arten von Ebenen und die Möglichkeiten mit ihnen zu arbeiten und was sich wie auswirkt. Obwohl das ein sehr umfangreiches Thema ist, schaffen sie es, das überwiegend leicht verständlich zu erklären. Man muss halt üben – aber das können mir die Autoren nicht abnehmen.

Mein Fazit

Abgesehen von der etwas unprofessionell wirkenden Einleitung hat mir das Buch* wirklich gut gefallen und zeichnet sich – entgegen dem ersten Eindruck – durch eine gute und übersichtliche Gliederung, eine angenehme, deutliche Sprache und leicht nachvollziehbare Beispiele aus.
Wenn man etwas sucht, findet man es schnell und einfach im umfangreichen Stichwortverzeichnis und kann sich das Programm wirklich in allen Facetten erarbeiten. Und anhand der Dicke des Buches* merkt man schon, dass PSE 11 wirklich ein vollumfassendes Programm ist.

Stern-Wertung_PSE_DB

Für die tollen Zusatzworkshops, gebe ich einen Extra Punkt. Aufgrund der unprofessionellen Einleitung und der etwas mühsamen Entschlüsselung der Online Daten ziehe ich insgesamt einen Punkt ab.
Ebenso missfällt mir die Zwangs-Registrierung auf der
Data Becker Homepage. Daher ziehe ich auch hier einen Punkt ab.
Wie man sieht, sind die Kritikpunkte kaum nennenswert und daher erhält das Buch eine absolute Empfehlung mit 9 von 10 Sternen.

* = Amazon Affilate Link

Über 

Professioneller Fashion- & Beauty-Fotograf mit und aus Leidenschaft.

Ebenfalls aus Herzblut: Dozent, Autor.

Wurde nicht mit einer Kamera geboren, sie ist inzwischen aber angewachsen.

Hat einen "(Blitz)Lichtfetisch". Umfangreiches Technik- & Fotowissen.
Kann trotzdem brauchbare Fotos machen.

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