Buchrezension: “Senses” von Frank De Mulder

Auf diesem Blog gibt es sehr viel über Technik zu lesen. Ich bin auch ein techniklastiger Photograph und finde es immanent wichtig, die Technik zu beherrschen.
Besonders in den letzten Jahren tritt für mich die Technik aber etwas mehr zurück (weil, so behaupte ich, ich sie inzwischen auch ganz gut meistere) und ich lege immer mehr Wert auf den künstlerischen Aspekt der (People-)Photographie.

Am wichtigsten sind, das sollten wir uns immer vor Augen halten, die Ergebnisse unserer Arbeit – weniger die Arbeit selbst. Und die Ergebnisse der Photographen-Arbeit sind Bilder.
Deshalb möchte ich in Zukunft immer wieder auch einmal Bildbände vorstellen. Vorstellen – das heißt auch, daß ich zwar meine Meinung dazu schreiben sowie Stärken und Schwächen aufzeigen werde, aber auf die übliche “Blitz-Wertung” werde ich dabei verzichten. Es geht hier um Fotos, Bilder, künstlerische Ergebnisse – und die sind immer subjektiv. Das dann in eine Punkteskala zu pressen, finde ich unangemessen.

© Frank De Mulder – Senses published by teNeues, www.teneues.com

Wir beginnen mit Frank De Mulders “Senses” in der Small Edition* aus dem teNeues Verlag (Link zum Buch im Webshop des Verlags).

Small Edition – das löste zuerst etwas Angst in mir aus. Aus Erfahrung weiß ich, dass ein Foto um so besser wirkt, umso größer es gedruckt wurde. Würden die Fotos noch beeindruckend wirken, wenn man sie klein druckt?
Meine Angst war unberechtigt, in zweierlei Hinsicht. Zum einen, weil die Small Edition mit etwa A4-großen, seitenfüllenden Bildern nicht wirklich so “small” ist, wie der Titel befürchten lässt. Zum anderen, weil die Fotos beeindruckend sind. Vermutlich in jeder Größe. Das vorliegende Format erscheint mir als guter, gangbarer Kompromiss. Natürlich würden die Fotos größer sicher noch besser wirken, aber das Format ist noch gut geeignet die Wirkung der Fotos zu entfalten.
Dafür ist der Preis für einen so hochkarätigen und in der Druckqualität überzeugenden Hardcoverband mit 29,90 Euro* sehr günstig.

Dass der Belgier De Mulder Erfahrung mit Aktfotografien hat, läßt das Vorwort bereits erahnen, denn es stammt vom Herausgeber des holländischen Playboy. Die Bilder spiegeln dann auch diese Erfahrung wieder. Doch nicht nur das, auch Routine als Werbe- und Modephotograph beweisen die Fotos. Wer den klassisschen Akt, das Spiel mit Formen und Kurven erwartet, wird “enttäuscht” sein.

Der Titel “Senses” (Sinne) ist sicher nicht umsonst gewählt. Die Bilder sind verführerisch, provozierend, sexy, verrucht, fantasieanregend, geschmackvoll und sinnlich. Frank De Mulder schafft es, dabei nie zu weit zu gehen. Keines der Bilder wirkt “billig” oder schmuddelig.

(Hier 3 Bilder aus dem Buch. Meiner Meinung nach nicht die beste Auswahl, im Buch gibt es eine Menge schönere Aufnahmen. Ich darf aber aus rechtlichen Gründen keine anderen zeigen. – © Frank De Mulder – Senses published by teNeues, www.teneues.com)

Allerdings wirken viele Aufnahmen doch sehr inszeniert, hartes Licht und provozierende Posen tragen bisweilen dazu bei. Hier sieht man die Handschrift des Werbe- und Modephotographen. Die Aktfotos “verkaufen” Sinnlichkeit und Erotik, persönlichen Zugang zu den Fotografierten bekommt man eher nicht. Die Bilder “kommerzialisieren” die Nacktheit und Intimität, ähnlich wie das auch bei den typischen Playboy-Aufnahmen der Fall ist. Die Fotos sind eher “Objektivierungen” als Portraits. Das muß nichts schlechtes sein, ist aber eine Herangehensweise, die nicht jeden Geschmack trifft. Um das ein wenig abzuschwächen, verwendet Frank De Mulder meistens die Darstellung in schwarz-weiß.
Ich persönlich mag den Stil, er kann erfrischend und eine Abwechslung zu den üblicheren Aktaufnahmen sein. In der Menge, die sich in dem Bildband findet, fehlt mir dann aber insgesamt doch ein wenig die Persönlichkeit der Modelle. Auch die Auswahl der Modelle selbst ist etwas stereotyp, deutlich erkennt man die Hochstilisierung zur Perfektion, wie sie in der kommerziellen Photographie (Beauty, Fashion…) üblich ist. Die durchschnittliche Frau wird sich in den Bildern wohl eher nicht realistisch repräsentiert fühlen.

Trotz dieser – sehr subjektiven – Kritikpunkte empfinde ich den Bildband als sehr empfehlenswert und freue mich darüber, dass er mein Bücherregal bereichert.

Update: Weitere Rezension gefällig? Mein Kollege von Fotografr.de hat auch eine!

* = Amazon-Affilate-Link

Über 

Professioneller Fashion- & Beauty-Fotograf mit und aus Leidenschaft.

Ebenfalls aus Herzblut: Dozent, Autor.

Wurde nicht mit einer Kamera geboren, sie ist inzwischen aber angewachsen.

Hat einen "(Blitz)Lichtfetisch". Umfangreiches Technik- & Fotowissen.
Kann trotzdem brauchbare Fotos machen.

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