Zur Kasse bitte! – Canon LOG (C-LOG) für die EOS 5D Mark IV

Canon hat heute per Pressemitteilung etwas veröffentlicht, womit wohl nur wenige gerechnet haben: C-LOG kommt in die 5D Mark IV*. Anmerkung: Wer nicht lesen mag – Hier die Erklärung von […]

Canon hat heute per Pressemitteilung etwas veröffentlicht, womit wohl nur wenige gerechnet haben: C-LOG kommt in die 5D Mark IV*.
Anmerkung: Wer nicht lesen mag – Hier die Erklärung von “Log” im Video. Mehr zum 5D-Update im Text unten.

Die gesamte Pressemitteilung findet sich hier.

Ein funktionales Update für eine DSLR? Das gab es in der Canon-Geschichte bisher nur selten. Und um das zu feiern, macht Canon das auch nicht einfach so, sondern nur gegen Aufpreis. :-/

Was ist C-LOG?

OK, was ist “C LOG” und wer braucht es überhaupt?
Interessant ist es eigentlich nur für Videofilmer. So viel zum “wer”. Das “was” ist schon etwas schwerer zu erklären.
Wer mit seiner Kamera intensiv fotografiert weiß, dass sie sowohl RAWs als auch JPEGs aufnehmen kann. Dabei sind RAWs die weitestgehend uninterpretierten Daten, Dinge wie Weißabgleich, Kontrast und selbst Farbzuordnung sind darin noch nicht final festgelegt, sondern werden auf den RAW-Konverter und die Einstellungen darin ausgelagert. Bei den normalen Canon DSLRs gibt es so etwas für Videos von Haus aus hingegen NICHT (einigen bieten das Feature inoffiziell mit Magic Lantern-Firmware). Das macht die Arbeit mit Video in vielen Fällen durchaus schwieriger, weil viel weniger Spielraum für Fehler bleibt.
LOG-Modi/-Presets oder wie immer man sie nennen möchte sind nun eine Kompromisslösung, sofern kein RAW-Video zur Verfügung steht (das auch z.B. sehr viel mehr Speicherplatz und Datendurchsatz erfordern würde).
Man kann es in etwa so verstehen wie einen sehr kontrastreduzierten, entsättigten und weniger schärfenden Picture Style – und das war bisher auch tatsächlich die Notlösung, wenn kein LOG zur Verfügung stand. Allerdings greift ein LOG-Preset oft noch früher und umfassender in die Datenverarbeitung ein als ein Picture Style und ist so die bessere Lösung.
Der Vorteil ist, dass bei wenig gesättigten Farben und schwachen Kontrasten in der Ausgangsvideodatei deutlich mehr Spielraum für individuelle Anpassungen liegt und das enstandene Material so besser an die jeweiligen Bedingungen angepasst werden kann. Z.B. kann man mit feiner Einstellung in der Bearbeitung (“Grading”) Schatten aufhellen, ohne gleich einen Himmel ausbrennen zu lassen, wie es die Kamera bei anderer Kontrasteinstellung oder Belichtung vielleicht verursacht hätte.
C-LOG ist Canons Variante und Interpretation eines LOG-Modus und wird bereits in den professionellen Cinema EOS-Kameras des Herstellers verwendet. Bisher hatte keine DSLR ausserhalb dieser Reihe einen entsprechenden Modus – was vielerorts gerügt wurde.
Andererseits wird die Sinnhaftigkeit von LOG generell kontrovers diskutiert, sofern das Ausgangsmaterial (wie hier) nur in arg dynamikbegrenzenden 8 Bit vorliegt.

Aufholen und Abkassieren

Es wird Zeit, dass Canon endlich auch in den DSLRs C-LOG anbietet. Da ist es direkt ein wenig enttäuschend, dass es (bisher) nur in der teuren 5d IV passiert. Anderer Hersteller, allen voran Panasonic, aber auch z.B. Sony, bieten längst ihre Varianten von LOG in ihren Kameras an und haben in diesem Segment auch deswegen Canon etwas den Rang abgelaufen.
Als Frechheit kann man es aber meiner Meinung nach werten, dass dafür (bei der ohnehin schon überteuerten 5D Mark IV) auch noch zusätzlich bezahlt werden soll. Schließlich dürfte es sich nur um eine Softwareerweiterung, also eine per Firmware integrierbare Funktion, handeln.
“C-LOG” wird wohl im Menü auftauchen und bei Aktivierung ist Filmen nur noch im “M”-Modus möglich, Video-HDR und Timelapse sind dann nicht mehr verfügbar. Die Basis-Empfindlichkeit, bei der Canon die höchste Dynamik angibt, liegt bei ISO 400 – andere Einstellungen bleiben dennoch möglich. Außerdem warnt der Hersteller davor, dass streifenförmige Rauschmuster auftreten könnten. Ansonsten soll es keine Einschränkungen geben.
Außerdem soll das Update mit 2 verschiedenen LUT für’s Grading ausgeliefert werden (wie genau das aussieht, wird man sehen müssen).
Die deutsche Pressemitteilung gibt noch keine Auskunft über die genauen Kosten, die amerikanische Seite ist da auskunftsfreudiger: 99$ möchte man für den “Service”, der nur in einer autorisierten Werkstatt durchgeführt wird. Außerdem soll es die Kamera dann auch bereits damit vorinstalliert zu kaufen geben – wohl gegen Aufpreis. Auf der amerikanischen Seite findet sich als Termin für die Verfügbarkeit der Juli 2017.

* = Amazon Affiliate Link

Über 

Professioneller Fashion- & Beauty-Fotograf mit und aus Leidenschaft.

Ebenfalls aus Herzblut: Dozent, Autor.

Wurde nicht mit einer Kamera geboren, sie ist inzwischen aber angewachsen.

Hat einen "(Blitz)Lichtfetisch". Umfangreiches Technik- & Fotowissen.
Kann trotzdem brauchbare Fotos machen.

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